Runder Tisch fordert öffentlich geförderten Wohnraum auf Pioneer-Gelände

Der Runde Tisch für menschenwürdiges und bezahlbares Wohnen kritisiert die von der Stadt geplante Entwicklung des Pioneer-Geländes. Das Versäumnis einer Perspektive bezüglich Wohnungsbaus sei ein Skandal. „Obwohl große Teile der Bevölkerung hierauf angewiesen sind, und Politiker im Wahlkampfmodus allerorten sozialen Wohnungsbau fordern, scheint Hanaus OB Claus Kaminsky seiner Politik der Null Sozialwohnungen offensichtlich eisern treu bleiben zu wollen,“ monieren die Mietaktivisten. Während immer mehr Kommunen auch im Rhein-Main-Gebiet Investoren eine Quote für öffentlich geförderten Wohnraum vorschreiben, verbreiten Hanauer Politiker das Märchen, es gäbe genug Wohnungen für alle, wenn man nur für den Mittelstand und die Wohlhabenden baue.

Auch die Stadtverordnetenversammlung habe sich über öffentlich geförderten Wohnraum überhaupt keine Gedanken gemacht, sondern die Planung der Landesentwicklungsgesellschaft Hessen-Hanau GmbH übergeben. An dieser Gesellschaft hält die städtische Bauprojekte Hanau GmbH zwar 10 Prozent der Anteile, aber nur, damit der Mehrheitseigner, die private DSK Deutsche Stadt- und Grundstücksgesellschaft mbH keine Grunderwerbsteuer zahlen muss, ein sogenannter Share-Deal, so der Runde Tisch.

Die Mietaktivisten fordern, ein Drittel der dort entstehenden Wohnungen öffentlich zu fördern um auf diese Weise eine soziale Durchmischung des Wohngebietes zu erreichen. Zumindest bei dem neugegründeten Gesprächskreis der „Lokalen Partnerschaft“, der im Rahmen des „Integrierten städtebaulichen Entwicklungskonzepts“ (ISEK) zur Bürgerbeteiligung gegründet wurde, sollten nach Ansicht des Runden Tisches Wohnen die Fördermittel für öffentlichen Wohnraum von Bund, Land und Main-Kinzig-Kreis auf der Tagesordnung stehen. Dies sei umso wichtiger, da der Wohnungsbedarf noch größer sei, als bisher von der Stadt angenommen. So veröffentlichte der Regionalverband Frankfurt Rhein-Main in seiner Wohnungsbedarfsprognose, dass in Hanau kurzfristig 3.571 und langfristig bis 2030 5.611 Wohnungen fehlen.

Der Runde Tisch verweist zudem darauf, dass auf dem Gelände inzwischen nicht mehr 700 Wohneinheiten für ca. 3.000 Menschen gebaut werden sollen, sondern 1.500 Wohnungen für mindestens 5.000 Menschen. Das bedeute, dass die DSK nunmehr die Vermarktung der doppelten Anzahl an Immobilien und somit eine deftige Gewinnmaximierung einplanen dürfe. Der von den politisch Verantwortlichen selbst hochgelobte Verkauf erweise sich nunmehr als echtes Schnäppchen für den Investor, aber zum Nachteil der Stadt. Es wäre umso mehr angebracht, nicht nur einen Nachschlag für den Verkaufspreis zu verlangen, sondern auch den Bau von bezahlbarem Wohnraum mit dem Anteil von einem Drittel vorzuschreiben.