Wegsehen der Stadt unentschuldbar

Als besonders erschreckendes Beispiel dafür, wie auf dem Rücken von ausgegrenzten Menschen Politik gemacht werde, bezeichnet der Runde Tisch für menschenwürdiges und bezahlbares Wohnen die Vorgänge in der Daimlerstraße. Meist leben in den Häusern Tagelöhner aus Südosteuropa ohne soziale Absicherung. Bei den Roma verschlimmerten Vorurteile die Lebensbedingungen zusätzlich. Dies habe sich der Eigentümer der Häuser in der Daimlerstraße zunutze gemacht. „Er hat jahrelang unmenschliche Wohnbedingungen zugelassen und nur kräftig kassiert. Das ist unentschuldbar. Nicht der Eigentümer, sondern viele Mieter haben Wohnungen renoviert“, so der Runde Tisch.

Genauso unentschuldbar sei das Wegsehen der Stadt Hanau, die die Zustände genau gekannt habe. Das Sozialgesetzbuch verpflichte Kommunen bei Gefährdungen des Kindeswohls und drohender Obdachlosigkeit zum Handeln. Außerdem wurden bereits vor Jahren die Gelder für die Arbeit des Internationalen Bundes massiv gekürzt, sodass die Beratungsstelle für Zuwanderer „Romale“ geschlossen werden musste. Nach Ansicht des Runden Tisches könne sich die Stadt nicht einfach aus der Verantwortung stehlen, nur weil die Menschen nicht ins Konzept einer reichen und schönen Stadt passten. Axel Weiß-Thiel, der mit seinen Ausreiseaufforderungen für Parteien am rechten Rand anschlussfähig werde, sei als Sozialdezernent eine krasse Fehlbesetzung und tauge eher als Investorendezernent. Sorge bereitet den Mietaktivisten, dass der nächste Eigentümer nur Gewinn anstrebe und dafür die Mieter vertreibe. Dies käme zwar der Stadt gelegen, da diese nur noch gut verdienende Einwohner in Hanau sehen wollen, könnte aber dazu führen, dass die Probleme sich nur an einer anderen Stelle in der Stadt wiederholen.

Ausgesprochen verwerflich seien die rüden Methoden, zu denen die neuen Hauseigentümer griffen, heißt es weiter. Menschen, die ohnehin an den Rand der Gesellschaft gedrängt würden, mit Zwangsräumungen zu bedrohen, zeuge von Verrohung. Dafür dürfe es von der Stadt nicht auch noch Lob geben. Der Runde Tisch fordert von der Stadt Hanau, den Menschen in der Daimlerstraße zumutbare Ersatzwohnungen zu beschaffen. „Wenn es die in Hanau nicht gibt, ist das ein weiterer gewichtiger Grund dafür, in Hanau beispielsweise auf dem Areal der Pioneer-Kaserne Sozialwohnungen vorzuhalten. Hanau kann nicht so tun, als gingen die Stadt die sozialen Probleme, die die Gesellschaft prägen, nichts an“, heißt es abschließend.