Leserbrief Die Verlierer des Kapitalismus will niemand

von Jochen Dohn

Es gibt den Vermieter, der nur Profit aus seiner Vermietung zieht und die Immobilie verkommen lässt, genauso wenig wie den Mieter, der sich als Mietnomade generiert und seine Mitmenschen terrorisiert. Aber es gibt Spekulanten, die gar nicht bauen wollen, sondern den Grund und Boden wertsteigend weiterverkaufen wollen. Genauso wie Politiker, die jahrelang die öffentlichen Wohnungsbestände für ein Appel und ein Ei an Immobilienhaie verkauft haben. Die nun versuchen, die Mieten soweit wie möglich in die Höhe zu treiben oder die alten Mieter auf die Straße zu setzen. Außerdem gibt es die Bauträger, die nur Eigentumswohnungen im höherpreisigen Segment bauen. Der Mietspiegel steigt und steigt. Natürlich könnte die Politik auf Bundes-, Landes- und kommunaler Ebene entgegenwirken – aber wollen sie dies auch? Obwohl die Wohnungsmisere bis tief in die Mittelschicht geht, kommen meist nur Lippenbekenntnisse von Seiten der Regierenden. Was wird gegen Immobilienspekulanten unternommen? Baut der Staat selbst auf seinen Grundstücken bezahlbaren Wohnraum? Werden Bebauungspläne nur mit festen Quoten und Vorschriften bewilligt? Wollen Kommunalpolitiker wirklich Sozialwohnungen in ihrer Stadt? Denn es geht überwiegend um Menschen, die auf Transferleistungen angewiesen sind und somit auch auf kommunale Sozialleistungen. Die kein oder nur ein geringes Einkommen haben und somit wenig konsumieren bzw. keine oder nur geringe Einkommenssteuer zahlen. Die Verlierer des Kapitalismus will niemand in seiner Stadt haben und dies wird dadurch erreicht, dass für diese Menschen der Wohnraum verknappt oder nicht bereitgestellt wird.